St. Martin in Kampill – Geschichte, Kunst und Bedeutung

Die Kirche St. Martin in Kampill liegt im gleichnamigen Ortsteil (ehemals Gemeinde Zwölfmalgreien) zwischen Eisack, Brennerstraße und Autobahn. Der Zugang befindet sich gegenüber der Milchgenossenschaft Mila.

Geschichtlicher Überblick

Als Wegheiligtum errichtet – was die Kirchenpatrone St. Martin und St. Leonhard unterstreichen – diente die Kirche zugleich den Bewohnern des Talbodens und der an den umliegenden Berghängen gelegenen Höfe. Sie wurde 1180 geweiht und erhielt 1303 ihre bis heute prägende architektonische Gestalt.

Architektur

St. Martin ist eine imposante Chorturmkirche mit markantem Turm und polygonaler Apsis. Der Innenraum beeindruckt durch seine Geschlossenheit und die außergewöhnliche Qualität der Ausmalung.

Fresken – ein einzigartiges Ensemble der Bozner Schule

Der gesamte Innenraum ist mit Fresken der Bozner Schule des 15. Jahrhunderts versehen. Besonders in den oberen Registern entfalten die Farben ihre volle Strahlkraft. Ein Höhepunkt ist das Azuritblau der Decke, besetzt mit vergoldeten Sternen – ein seltenes und kunsthistorisch wertvolles Detail.

Thematische Schwerpunkte der Fresken:

  • Langhaus: Leidensgeschichte Jesu
  • Apsis: Lamm Gottes, die vier Evangelisten, die Apostel sowie die Muttergottes

Ablassbrief von 1340

In der Domschatzkammer wird das Original eines Ablassbriefes von 1340 aufbewahrt, der in der avignonesischen Zeit der Päpste für diese Kirche ausgestellt wurde – ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeitsgeschichte.

Restaurierung 2008/09

Zwischen 2008 und 2009 wurde die Kirche umfassend restauriert: Trockenlegung der Mauern, Ausbesserung von Rissen und Hohlstellen sowie eine sorgfältige Reinigung der Fresken. Die Arbeiten wurden von der Brenner Autobahngesellschaft finanziert. Am 11. November, dem Patrozinium, wird daher eine Heilige Messe gefeiert und der auf der Autobahn Verstorbenen gedacht.

Öffnungszeiten

Dieses kunsthistorisch außergewöhnlich wertvolle Kleinod mit seinem nahezu vollständig erhaltenen Freskenensemble ist von Ende April bis Ende Oktober, jeweils am Samstag, von 14:00–16:00 Uhr, geöffnet.